Kirmesgeschichte

Vor rund 1.000 Jahren wurde in Friemar die erste Kirche, die „Sankt Veit Kirche“ erbaut. Ihr Einweihungstag war ein 15. Juni, welcher seit jeher der Termin der Friemarer Kirchweihe und zeitgleich der Namenstag des Heiligen „Sankt Veit“ ist. Jedes Jahr wurde traditionell am Tag der Kirchweihe die Kirmes (Kirch – Messe) in Friemar gefeiert.

In dem Zeitalter als die Landwirtschaft das Leben auf dem Lande bestimmte, hat man aus zeitlichen und finanziellen Gründen in Friemar wie auch in so fast jeder Thüringer Gemeinde die Kirmes mit dem Erntedankfest vereint. Der Kirmestermin war somit über viele Jahre im Oktober, zum Erntedankfest.
Mit der Gründung eines eigenen Kirmesvereins, der „Kirmesgesellschaft Friemar 2001 e.V.“ hat die Kirmesgesellschaft in Zusammenarbeit mit der Kirchgemeinde den Weg zur alten Tradition zurückgefunden. Seit 2002 findet die Kirmes unter dem Motto der „Friemarer Stauseekirmes“ an dem Juniwochenende nach dem 15.06. wieder an ihrem traditionellen Termin, dem Wochenende nach der Kirchmesse statt.
 
Besonders in den ländlichen Regionen ist die Kirmes das bekannteste und verbreiteste Volksfest in Thüringen. Die Einwohner Friemars nutzen gern die Kirmes, um ausgiebig und ausgelassen zu feiern. Zur Friemarer Kirmes gehörten schon immer Geselligkeit, Tanz, verschiedene Spiele und reichlich Essen und Trinken. Dabei entwickelten sich Sitten und Gebräuche, die sich zum Teil bis in unsere heutige Zeit erhalten haben, wie zum Beispiel der Spruch der Kirmesgesellschaft:

„Was feiern wir heute?

Kirmse

Wem ist die Kirmse?

Unsre

Die Kirmse sie lebe?

Hoch Hoch Hoch

Zicke Zacke Zick Zacke?

Heu Heu Heu

Hundehütte Hundehütte?

Wau Wau Wau

Kinderwagen Kinderwagen?

Schieb Schieb Schieb

Vogelbauer Vogelbauer? 

Piep Piep Piep

Stinke Socke Stinke Socke?

Mief Mief Mief

Wem sind die Glocken? 

Unsre

Wo sind die Glocken?

Über unserm Dorf

Friemarer Rot?

Kraut

Rot?

Kraut

Rot?

Kraut



                             

Die Kirmes war zu allen Zeiten vorwiegend ein Fest der Jugend. Zur Vorbereitung und Durchführung der Kirmes bildet sich in jedem Jahr die Kirmesgesellschaft. Dazu finden sich ca. 8 - 12 junge, unverheiratete Burschen des Ortes zusammen und suchen sich jeweils eine Kirmesbraut. Die Kirmesbraut trägt zur Kirmes ihr schönstes Festtagskleid mit einem Kirmesstrauß und der Kirmesbursche sein Festtagsgewand mit einem Anstecksträußchen und seiner Burschenmütze.
Geführt wird die Kirmesgesellschaft während der gesamten Kirmes von zwei Kirmesvätern, den sogenannten Luxen. Die Luxe sind wichtige Traditionsfiguren der Kirmes, welche für Ordnung und Gelingen der Kirmes sorgen und außerdem mit ihrer Patsche übermütige Kirmesburschen bändigen. Die typische Ausstattung der Luxe besteht aus einer weißen Schürze, einer Patsche und einer Burschenmütze mit goldener Aufschrift „Friemar“.
Die Kirmesgesellschaft Friemar ist ganz besonders auf ihre Kinderkirmesgesellschaft von der evangelischen Kindertagesstätte Friemar stolz, welche jedes Jahr ihren eigenen Kindertanz in originaler Kirmestracht aufführt.

Wichtig bei allem ist, dass es den Beteiligten und Zuschauern Freude bereitet und die Tradition der Kirmes, verbunden mit der Pflege von Brauchtum, durch die Jugend weitergetragen wird. Wenn sich auch die Inhalte und das Brauchtum zur Kirmes im Laufe der Jahre etwas abgewandelt haben, ist sie heute und hoffentlich auch in Zukunft ein Höhepunkt in der individuell geprägten und dörflichen Kulturlandschaft Friemars.


Kirmesgesellschaft Friemar 2001 e.V., der Vorstand